Forum Kunst im Deutschen Bundestag, Berlin
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Thomas Locher
Die Würde des Kindes
Die Würde des Menschen steht am Anfang des Grundgesetzes und ist ebenso zentraler Begriff der Präambel der im Dezember 1948 verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Thomas Locher beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit Themen wie Recht und Gerechtigkeit und widmet sich in dieser Ausstellung speziell der Würde des Kindes, indem er zwei Werkensembles in Relation zueinander setzt. „Conventions on the Rights of the Child“ beschäftigt sich mit Artikel 1, 4, 6, 8 und 11 der UN-Kinderrechtskonvention, die 1989 verabschiedet wurde und völkerrechtlich verbindlich ausformuliert die Rechte von Kindern zu achten, zu schützen und zu fördern. In diesem Zusammenhang ist eine Installation von Kinderstühlen zu sehen, der „Round Table“ [Runder Tisch], in der sogenannten Kinderversion. In ihrer augenfälligen Unterschiedlichkeit verweisen die Stühle einerseits auf verschiedene Bedürfnisse, Fragen und Handlungsfelder, andererseits auf unterschiedliche Herkünfte. Einer weltweiten und vielfältigen Gemeinschaft von Kindern wird so Ausdruck verliehen.
Die Werke „Conventions on the Rights of the Child“ lassen sich wie Mindmaps betrachten, in denen der Künstler mit Hilfe von auf Glas geschriebenen Kommentaren und Fragen hinsichtlich der Definition, Bedeutung und Wirksamkeit der jeweiligen Artikel den Raum zum Diskurs öffnet („Kann Sprache den Unterschied zwischen einem Ziel und dessen Verwirk-lichung zum Ausdruck bringen?“).
In der ursprünglich 1995 geschaffenen Installation „Round Table“ – heute Teil der Sammlung der Pinakothek der Moderne München – konfrontiert Thomas Locher die Betrachtenden mit einer Diskussionsrunde ohne Teilnehmende und einem Ort des möglichen Austauschs. Bei der Verhandlung und Diskussion um Kinderrechte stellt sich die Frage der Partizipation und politischen Mit-bestimmung der Betroffenen – nämlich den Kindern selbst. Thomas Locher lädt explizit die teilnehmenden Kinder des laufenden Workshop-Programms zur Ausstellung „WIR“ ein, Platz zu nehmen.